Weser Kurier
mono Listening Café | BoDo Straßenmagazin
Den Plattenladen Black Plastic gibt es seit 2012 in Dortmund, 2019 kam eine Filiale in Bremen dazu. Im vergangenen Jahr zog der Laden in die Räume einer ehemaligen Videothek, gleich gegenüber auf der Rheinischen Straße. Weil viel mehr Platz ist, kommt hier auch das Mono Listening Café unter.
Inhaber Valentin Gube ist fasziniert von japanischen Jazz-Cafés: „Nach dem Zweiten Weltkrieg haben amerikanische Soldaten Jazz-Platten mit nach Japan gebracht und damit die Kultur der Jazz-Kisa begründet. Das sind kleine Cafè-Bars, in denen meist Jazz gespielt wird, und so ist eine ganz eigene Jazz-Café-Kultur entstanden, die von Japan aus in die ganze Welt fließt – aber mit amerikanischer Musik. Ich finde, das ist irgendwie ein witziger, globaler Zusammenhang“, grinst Valentin. Heute gibt es 600 Kisa-Cafés in Japan, 100 allein in Tokio. Kisa ist das japanische Wort für Kaffee.
Valentin erzählt weiter: „Zu uns kommen oft Besucher-Trios. Oft interessiert sich einer extrem für Vinyl und die anderen beiden nicht. Die können dann 10 Minuten auf ihr Handy starren, aber dann werden sie ungeduldig. Und jetzt können sie vorne im Café sitzen.“ Denn das ist etwas, das Plattenläden in der Regel nicht bieten können: Aufenthaltsqualität. Die meisten sind zu klein, das kennt auch Valentin: „Wir hatten nicht mal Platz für ein Zweiersofa für Gäste, und das wollte ich unbedingt ändern.“
Im Eingangsbereich gibt es sogar ein Regal mit Kinderbüchern, damit auch die Kleinsten Unterhaltung finden. Valentin erklärt: „Es ist sozusagen unser Vorteil, dass wir als Neugastronomen nicht vom Café leben müssen. Das wäre auch gar nicht möglich, ehrlich gesagt. Aber ich bin froh, dass wir es haben und so unser Angebot sinnvoll erweitern können.“ Neben einem ausgewählten Kaffee- und Kuchenangebot will das Mono Listening Café kleine Konzerte und Lesungen anbieten, auch Ausstellungen mit bildenden Künstlern und Fotografen sind für das Frühjahr geplant: „Ich freue mich, wenn wir den Vibe auf der Rheinischen Straße ein wenig bunter gestalten können.“
Musik nonstop
Direkt am Tresen des Mono stehen wie in einer Clubdisco zwei DJ-Plattenspieler und ein professionelles Mischpult, dazu kommt ein Mono-Plattenspieler: „Solche Plattenspieler wurden vor allem im Jazz-Bereich in den 50er und 60er Jahren eingesetzt, gerade Jazz-Labels wie das legendäre ‚Blue Note‘-Label haben darauf geschworen“, erklärt Valentin.
Dazu gibt es im Thekenbereich eine große Auswahl an Platten, die hier für die musikalische Hintergrundbeschallung sorgen. „Natürlich geben wir gerne Tipps, aber es ist klar, dass eine Stadt wie Dortmund in den Genres Punk, Heavy Metal und Hip-Hop besonders groß ist“, sagt Valentin.
Gibt es für ihn als Plattenladen-Chef auch Sachen, die er nicht im Repertoire hat? „Von den Böhsen Onkelz wird man bei uns nichts finden und Musik mit rechtem Gedankengut sowieso nicht. Seit der unappetitlichen Sex-Affäre um Sänger Till Lindemann haben wir auch Rammstein aus unseren Läden verbannt.“
Valentin hat ein Herz für viele Genres, hier seine All-time-favourites:
- John Coltrane: Blue Train (1958)
- Alton Ellis: Sings Rock And Soul (1967)
- Terry Callier: The New Folk Sound of Terry Callier (1968)
- King Crimson: In The Court Of The Crimson King (1969)
- Roni Size: New Forms (1997)
Von Peter Hesse
Fotos: Daniel Sadrowski

